„Das ist eine Herzensangelegenheit“
Pflegefachkräfte: Kultursensibles Ausbildungsangebot für Flüchtlinge. Zwei Info-Veranstaltungen

Perspektiven schaffen und sich gemeinsam stark machen für Schwache. Dafür steht das Verbundprojekt „Pflegeausbildung für Flüchtlinge“, das das Welcome-Center Sozialwirtschaft der Diakonischen Werke in Baden und Württemberg entwickelt hat. Ziel ist, Flüchtlingen den Weg zur Fachkraft zu ermöglichen. An diesem Integrationsprojekt beteiligt sich auch die Evangelische Kirche Mannheim. Für Interessierte finden am 22. März und am 5. April Info-Veranstaltungen statt.

„Wir wollen dabei helfen, dass Flüchtlinge hier nachhaltig Fuß fassen können“, formuliert Dekan Ralph Hartmann. Es sei eine „Herzensangelegenheit der Kirche“, bei der Integration mitzuwirken und dafür kultursensible Konzepte zu entwickeln.

Bedarf trifft auf Bedarf

Wo Menschen in Arbeit kommen, so Hartmann, fände Integration am wirksamsten statt. Im Bereich der Pflege böten sich dafür gute Möglichkeiten, wie Projektleiterin Dr. Marina Liakova vom Welcome-Center Sozialwirtschaft betont. „Unsere Aufgabe ist, den Zugang der geflüchteten Menschen zu den Unternehmen der Sozialwirtschaft zu ermöglichen. Dadurch wollen wir einen Beitrag zur Überwindung des Fachkräftemangels in Deutschland und zur gesellschaftlichen Integration leisten.“

Kultursensibel zum „kleinen“ und zum „großen“ Ziel

Der Weg zur Fachkraft erfolgt in zwei Schritten. Das „kleine“ Ziel ist eine zweijährige Ausbildung zu Altenpflegehelfern. An diese kann sich eine nochmals zweijährige Ausbildung zur Altenpflege-Fachkraft anschließen. Den Ablauf hat die kooperierende Evangelische Schule für Altenpflege in Heidelberg (Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg) flexibel entwickelt. Voraussetzung für die Ausbildung ist bestenfalls der Status als anerkannter Flüchtling. Für Menschen mit temporärem Status kann ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss helfen, den Aufenthaltsstatus zu festigen. Doch im Vordergrund stehen das Interesse an diesem sozialen Beruf, ausreichende Sprachkenntnisse (mind. Niveau A2), soziale Kompetenz, mindestens acht im Ausland absolvierte Schuljahre und ein Mindestalter von 18. Vor Ausbildungsbeginn sammeln die Interessenten als „Bundesfreiwillige“ Erfahrungen im pflegerischen Bereich, verbessern ihre Sprachkenntnisse und erproben, ob das Berufsbild zu ihnen passt. Dieser Erfahrungseinschub ist eine Mannheimer Besonderheit, den es in Stuttgart und Freiburg, wo das Ausbildungsprojekt ebenfalls verortet ist, nicht gab. So können die Interessenten besser einschätzen, ob der Beruf zu ihnen passt.

Ausbildung und Begleitung bei der EPMA

Auf die „Bundesfreiwilligen“ und die Auszubildenden sind das ThomasHaus bzw. die Evangelischen Pflegedienste Mannheim (EPMA) bestens eingestellt. „Wir bilden sehr gerne Menschen mit Migrationshintergrund aus“, sagt EPMA-Geschäftsführer Peter Grewe. Die Kollegenschaft sei von Asien bis Afrika international und freue sich auf „die Neuen“. „Kollegen aus einem anderen Kulturkreis“, sagt Andrea Fanzutti, Projektleiterin in der EPMA, „sind eine wichtige Bereicherung“. Kollegiale Begleitung findet auch im Alltag, z.B. beim Einkaufen statt. Zwei Bewohnerinnen des ThomasHauses haben eine Patenschaft übernommen für zwei junge Männer, die kürzlich mit dem „Bundesfreiwilligendienst“ begonnen haben. Die Verständigung sei gut, auch wenn sie manchmal „mit Händen und Füßen“ erfolge. Für Flüchtlinge hat die EPMA acht zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen. Sechs davon sind noch frei.

Waschen von Fuß bis Kopf?

Worum es bei dem Stichwort „Kultursensibilität“ geht, macht Jean-Paul Bassong deutlich. Er kam vor 13 Jahren aus Kamerun und begann im ThomasHaus mit einem Praktikum. Heute ist er Ausbilder und Integrationsbeauftragter der EPMA. In seinem Kulturkreis, berichtet er, begänne das Waschen eines Menschen stets bei den Füßen und ende am Kopf. Auf keinen Fall umgekehrt. Denn das Waschen gelte nicht nur der Hygiene, sondern habe tiefere, symbolische Dimensionen. Es transportiert gute Wünsche und Hoffnung. Die Reihenfolge Fuß-Kopf verdeutliche, dass es bergauf gehen möge. Wenn mit dem Waschen im Gesicht begonnen würde, würde das Gegenteil vermittelt und brächte Unheil. Das sind Unterschiede, von denen im pflegerischen und auch im medizinischen Bereich die Angehörigen beider Kulturkreise dringend Bescheid wissen müssen. Beim Integrationsprojekt „Pflegeausbildung für Flüchtlinge“ ist genau das bei allen fachlichen Aspekten deutlich im Blick. Gute Aussichten für ein gutes Gelingen.

Info-Veranstaltung für Interessierte:

22. März 2017, 15-17 Uhr: ThomasHaus, Reiterweg 54, 68163 Mannheim
05. April 2017, 15-17 Uhr: ZinzendorfHaus, Planetenweg 17-19, 68305 Mannheim.

Kontakt

Peter Grewe, ThomasHaus, Tel. 0621 / 4408-0, E-Mail: pgrewe@epma.care

Hier laden Sie das Pdf der Diakonie

EPMA_Pflegeausbildung-Fluechtlinge

v.l.n.r.: Jean-Paul Bassong (EPMA), Dekan Ralph Hartmann, Andrea Fanzutti (EPMA), Dr. Marina Liakova (Welcome-Center Sozialwirtschaft), Peter Grewe (Geschäftsführer EPMA) machen sich in Mannheim für das kultursensible Ausbildungsprojekt für Flüchtlinge stark., Foto: de Vos. (dv)